Traumhafte Wetterbedingungen und fleißige Wildschweinjäger, welche die im letzten Winter durch Schneebruch blockierten Strecken mittlerweile frei geräumt hatten, sorgten bereits im Vorfeld der Veranstaltung für großartigen Fahrspass.

Bereits 3 Tage vor Beginn des Enduro Spezial hatten wir alle Roadbooks kontrolliert, ein paar neue Strecken zusammengestellt und warteten gespannt auf unsere Kunden.

Kleine Anmerkung: Was in der Woche alles so passierte, davon könnte ihr euch einen Eindruck in unser Bildergallerie oder mit den Videos der KTM-Zwerge verschaffen: Video 1, Video 2,Video 3

Bei Ankunft der Teilnehmer gab es eine „fette“ Überraschung: das Bettarello war von 120 Harley-Fahrer vollständig in Beschlag genommen. Bei den „wilden“ Kuttenträgern handelte es sich jedoch nicht um Teilnehmer unserer Großenduro-Woche, sondern um die Chapter Pisa und Livorno, welche sich zum Mittagessen im Agriturismo angekündigt hatten. Gegen Abend war die Leder-Invasion vorbei und wir konnten das Enduro Spezial mit einem ersten Willkommensbierchen in aller Ruhe offiziell eröffnen.

Am nächsten Morgen scharrten um 8 Uhr schon alle mit den Hufen. Das erste Roadbook startete direkt im hauseigenen Olivenhain. Auf dem anschließenden Singletrail an der „Frau Hartmann-Gedächtniskurve“ lauerten schon strategisch geschickt die Paparazzi. Lässig umschiffte das Team Saarland die ausgefahrene Matschfurche und nach einiger Zeit erschienen auch Volker und Oli im Sucher unserer Kamera. Große Fragezeichen gaben allerdings Markus und Uli auf, welche als erste losgefahren waren. Die beiden blieben bis zum Nachmittag verschollen.

Armand und Claudine trafen wir später beim relaxten Picknick beim Bagno Petriolo, Die beiden Luxemburger wollten die Woche gemütlich angehen und fuhren die ersten Tage auf unseren technisch weniger fordernden Großenduro-Strecken.

Ziemlich erschöpft schlug die Gruppe Norddeutschland schließlich am und im Pool des Bettarello auf. Offensichtlich wollten sich die beiden als MotoAdventure-Streckensucher qualifizieren, denn sie hatten sich unter starken körperlichen Einsatz auf eigenen Wegen probiert und sich im weitläufigen Dickicht des Monte Alto an toskanischem Hillclimbing abgearbeitet.

Obwohl Uli einige körperliche Blessuren davon trug, waren beide bester Laune. Auch die Saarländer starteten ihr Wochenprogramm mit einigen Handicaps, Christines KTM streikte mit Elektrikproblemen ausgerechnet am weitesten entfernten Punkt des Roadbooks. Erst nach langer Bastelei identifizierte sich die Ersatzsicherung als ebenso defekt wie ihre Vorgängerin. Schließlich trudelten alle vergnügt wieder ein und wir konnten entspannt bei einem lecker Birra Moretti den Tageserlebnissen der Gruppe lauschen.

Am Tag 2 stand unser Lieblings-Roadbook auf dem Programm und wir postierten uns diesmal mit den Betas an diversen Schlüsselstellen, um die einzelnen Kleingruppen eine Zeitlang zu begleiten. Volker und Olli hatten sich inzwischen an die Poleposition vorgearbeitet. Bei der Weiterfahrt wurde uns schnell klar, dass dies nicht nur daran lag, dass Christine und Peter (wie wir später erfuhren) nach einem folgenschweren Verfahrer damit beschäftigt waren, die Enduros aus einer Schlucht zu bergen. Volker navigierte mit einer beeindruckenden Leichtigkeit, als hätte er das Roadbook selbst geschrieben.

Gegen Nachmittag hängten wir uns an die Saarländer und mussten uns auch hier bemühen, tempomäßig mitzuhalten. Steile Auf- und Abfahrten mit großen Steinen schienen Christine und Peter nicht im Geringsten zu beeindrucken. Unsere persönlichen Favoritenstrecke, die 5 km lange Abfahrt vom über 1000m hohen Il Poggio, lag zum Glück schon hinter uns, als Christines KTM mit einem hässlichen Knarzen den Geist aufgab. Spezielle Begleitung hatten Armand und Claudine an diesem Tag: unser Freund Ulf von Motocult, bisher ein eingefleischter Strassen-Großendurofahrer, wagte sich erstmals mit leichtem Gerät ins Gelände und kam breit grinsend und offensichtlich Adrenalin-beschwipst zurück. Auch Markus und Uli hatten sich mittlerweile eingefahren und blickten stolz auf ein komplett abgefahrenes Roadbook 2 zurück. Folglich wurde ein weiterer Tag mit glänzenden Augen, zufriedenen Gesichtern und vielen Geschichten gemeinsam beschlossen.

Wie heiß alle Leute auf das Endurofahren waren, zeigte sich am Mittwoch, der ursprünglich als Ruhetag eingeplant war. Die Aussicht auf einen Ausflug ans Meer konnte nur wenige ins Auto locken. 5 Leute wollten lieber ihre offenen Rechnungen von Montag begleichen und schwangen sich wieder auf die Zweiräder. Da es mal wieder recht warm war, entschied sich Christinchen für ein erfrischendes Bad im Fluß Farma. Ganz schön clever, denn auch das verdreckte Motorrad wurde in einem Abwasch einer Vollreinigung unterzogen. Der einzige Haken war, dass das Trockenlegen des Mopeds einige Stunden in Anspruch nahm.

Am nächsten Tag nahm unser lokaler Guide Dario die Gruppe mit verstauchter „Gashand“ in Empfang. In der ersten Stunde testete Dario, was die Tedesci so drauf haben. Abgesehen vom gestandenen Trialer Oli waren alle bereits nach einer Stunde kurz davor die weiße Fahne zu schwenken. Angesichts der hochroten Köpfe stellte sich Dario schnell darauf ein, dass er trotz seines platten Vorderrads doch besser einen Gang zurückschraubte. Nachdem er uns über herrliche Singeltrails mit zahllosen Bachdurchfahrten durch die menschenleeren Bergwälder gelost hatte, war die Stimmung stark, doch nun wurde das Material schwach. Zuerst erwischte es Dario höchstpersönlich, der sich frontal einen Ast in den Kühler rammte. Als wir versuchten diesen abzudichten, nutzte Uli die Zeit sein verbeultes Etwas ein wenig zu richten, mit eher suboptimalem Ergebnis. In mehreren Fontänen entledigter es sich seiner Flüssigkeit. Keiner war wirklich traurig, als wir uns mit mehreren Wassernachfüllstopps straight auf den Rückweg zum Bettarello begaben. Nach 4 Fahrtagen zeigten sich bei allen wackeren Offroad-Kämpfern deutliche Ermüdungserscheinungen.

Freitag war denn auch Badevergnügen angesagt. Markus und Ulli nutzten die Zeit zur Regeneration in den heißen Quellen vom Bagno Petriolio, und sorgten dank ihres aufdringlichen Schwefelgeruchs für leere Autobahn-Raststätten auf der anstehenden Rückfahrt. Jutta zog hingegen die eiskalten Fluten der Farma für eine Erfrischung vor, da die heutige Strecke ebenfalls zu erhöhter Körpertemperatur der Enduristas führte. Während sich die anderen beim Mittagsstopp ausklinkten, um noch ein bisschen Sightseeing zu erledigen, setzte Jutta nach dem Motto „Ei jo, mer fahre solange, wie mer fahre“ zusammen den Saarländern die geführte Tour fort. Dario bewies mal wieder seine unglaubliche Ortskenntnis und führte uns auf schmalen, steilen Pfaden kreuz und quer durch schier endlose Wälder, dass wir (fast) gar nicht genug bekommen konnten.

Abends konnten wir ein letztes Mal die grandiosen Kochkünste von Küchenchefin Tecla genießen und bei Wildschwein-Pasta und lecker Lamm auf eine ereignisreiche Woche zurückschauen, in der wir viel gelacht haben und großen Spaß zusammen hatten. Insbesondere das humoristische Spannungsfeld zwischen dem mittleren Norden und dem Saarland hat uns so manches Mal die Lachtränen in die Augen getrieben. Wir waren außerdem schwer beeindruckt, mit welcher Begeisterung und fahrerischem Ehrgeiz alle bei der Sache waren. Christine verriet uns zuletzt noch ein große Geheimnis: mit dem Mantra „Alles flach, alles eben“ lässt sich auch die haarsträubendste Abfahrt bewältigen. Wir werden für diese Beschwörungsformel sicher noch oft Verwendung finden! Auch wenn wir eine kunterbunt zusammengewürfelt Haufen von 10 Leuten waren, sind daraus im Laufe der Woche 10 Freunde geworden, die hoffentlich dieses Jahr nochmals zu einer gemeinsamen Endurotour zusammen kommen werden. Vielen herzlichen Dank an alle Teilnehmer/-innen und bis bald!

Jutta und Markus